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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

9 Mit der Sozialversicherungsgesetzgebung der 1880er Jahre re- alisierte das Deutsche Reich ein Vorhaben, das nicht nur für die deutschen Bundesstaaten, sondern in ganz Europa fortschrittlich war. Es wurde mit diesem Schritt international zum Vorreiter ei- ner staatlichen Sozialpolitik. Über die folgenden Jahrzehnte sollten die Leistungen der Arbeiterrentenversicherung weiter ausgebaut und der Versichertenkreis schrittweise erweitert werden. Immer mehr Personen bekamen eine gesetzlich garantierte Invaliden- oder Altersrente. Die Errichtung regionaler Versicherungsanstalten und das Prinzip der Selbstverwaltung Das gesetzliche Rentenversicherungssystem in Deutschland be- ruhte von Anfang an auf der Idee der Selbstverwaltung. Diese Idee hatte Bismarck bereits in der Kaiserlichen Botschaft formuliert, als er ankündigte, die Verwaltung der neuen Versicherungen den »re- alen Kräften des Volkslebens« zu übertragen. Dementsprechend lag die Durchführung des 1889 beschlos- senen Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes auch nicht in den Händen des Reichs. Vielmehr wurden im Laufe des Jahres 1890 ­31 regionale Versicherungsanstalten gegründet, die späteren Lan- desversicherungsanstalten (LVAen). Für ihre Errichtung waren die einzelnen Bundesstaaten zuständig. Die Versicherungsan­stalten sollten als öffentlich-rechtliche Körperschaften die künftigen Trä- ger der Invaliditäts- und Altersversicherung sein und insbesondere für die Erhebung der Beiträge, für die Vermögensverwaltung und für die Gewährung der Leistungen Verantwortung tragen. Diese Aufgaben hatten sie unter der staatlichen Aufsicht des Reichs- versicherungsamtes (RVA) durchzuführen, das auch die oberste Spruchbehörde für die gesetzliche Rentenversicherung darstellte. Gemessen an der Zahl der Versicherten im Jahr 1895 war die Ver- sicherungsanstalt Oldenburg mit 58.805 Versicherten die kleinste Anstalt, die Versicherungsanstalt Schlesien mit 1.081.258 Versi- cherten die größte unter den Versicherungsträgern. Die wichtigsten Organe innerhalb der Versicherungsanstal- ten waren der sogenannte Ausschuss und der Vorstand. Der Aus- schuss, den man als Parlament der Versicherungsanstalten be- greifen kann, war paritätisch zusammengesetzt. Er bestand zu Der Ausschuss jeder Versicherungsanstalt war von Anfang an paritätisch besetzt und fungierte als Kontrollorgan des Vorstands. Im Bild: Ausschuss der LVA Hannover im Jahr 1915.

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