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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

8 Versicherung war an die Einkommen der Versicherten angepasst: Die Beiträge waren in vier Lohn- beziehungsweise Beitragsklas- sen gestaffelt. Mit einem durchschnittlichen Beitragssatz von etwa zwei Prozent des Lohns waren die Rentenbeiträge relativ gering. Versicherte und Arbeitgeber trugen zu gleichen Teilen bei. Zu die- sem Zweck mussten bei den staatlichen Postämtern Klebemarken im Wert der Wochenbeiträge erworben und regelmäßig auf eine Quittungskarte geklebt werden, die als Nachweis für die Zahlun- gen diente. Das Verfahren brachte den Versicherungsanstalten im Volksmund schnell den Namen »Klebekiste« ein. Es diente der Finanzierung des von der Versicherungsanstalt aufzubringenden Teils der Rente. Hinzu kam ein steuerfinanzierter Zuschuss, den das Reich zur Rente leistete, der »Reichszuschuss«. Er betrug anfangs pro Rente 50 Mark im Jahr. Zudem ging der Staat bei den Rentenzahlungen für die Versicherungsanstalten in Vorleistung. Sie wurden im Vor- schuss von den staatlichen Postverwaltungen übernommen. Durch die regelmäßige Beitragsleistung erwarben die Versicher- ten einen Rechtsanspruch auf die Gewährung einer Invalidenrente für den Fall, dass sie dauerhaft erwerbsunfähig wurden. Außerdem erhielten auch die nicht dauerhaft erwerbsunfähigen Versicherten eine Invalidenrente, wenn sie zuvor ein Jahr ohne Unterbrechung erwerbsunfähig gewesen waren. Die Invalidenrente konnte schon nach fünf Beitragsjahren in Anspruch genommen werden. Mit der Vollendung des 70. Lebensjahres und nach mindestens 30 Beitrags- jahren bestand Anspruch auf eine Altersrente. Außerdem konnten bei drohender Erwerbsunfähigkeit auf Kosten des Rentenversiche- rungsträgers Heilverfahren durchgeführt werden. Die Rentenleis- tungen waren höher angesetzt als die Unterstützungsleistungen der Armenpflege. Allerdings waren die Renten im Vergleich zu den Löhnen anfangs sehr niedrig. Ein Arbeiter, der beispielsweise der Beitragsklasse III zugeordnet war und im Jahr zwischen 550 und 850 Mark verdiente, erwarb nach 30 Beitragsjahren einen Alters- rentenanspruch von jährlich 162 Mark. Im Fall von Erwerbsunfä- higkeit kam noch ein Festbetrag von jährlich 60 Mark hinzu. Die gesetzliche Rentenversicherung war dennoch zum Zeit- punkt ihrer Einführung ein Meilenstein für die soziale Absiche- rung der Bevölkerung. Denn hiermit war ein Rechtsanspruch auf Rentenleistungen geschaffen worden, der neu war und den es im System der Armenfürsorge nicht gegeben hatte. Über die Vorlage des Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes wurde in Bundesrat und Reichstag mehrere Jahre diskutiert, bis dieses 1889 beschlossen wurde. Im Bild: Reichskanzler Otto von Bismarck bei einer Reichstagssitzung 1889, im Hintergrund, zweite Bankreihe von oben, dritter Sitz von links.

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