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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

64 lich gewährt. Auch Personen, die aufgrund von Invalidität erst gar keinen Rentenanspruch erwerben konnten, wurde nun erstmals eine Invalidenrente gewährt. Die in diesem Jahrzehnt steigenden Rentenausgaben mussten über den steigenden Staatszuschuss aufgefangen werden. 1976 rief Erich Honecker, Generalsekretär des Zentralkommitees der SED, auf dem IX. SED-Parteitag die »Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik« als neues Prinzip aus. Bis 1979 folgten weitere Neu- regelungen bei der Rente. Unter anderem wurde in der FZR für Arbeiter, Angestellte und Mitarbeiter sozialistischer Produktions- genossenschaften ab 1. Januar 1977 die bis dahin geltende Bei- tragshöchstgrenze aufgehoben. Diese Maßnahme führte noch im selben Jahr zu einer großen Beitrittswelle. Allein innerhalb der So- zialversicherung der Arbeiter und Angestellten schlossen 500.000 Werktätige eine neue Zusatzversicherung ab. Auch die Rehabili- tation fand erhöhte Beachtung. Ende der 1970er Jahre erklärte der Bundesvorstand des FDGB die Reha in einem seiner Beschlüsse zum »gesamtgesellschaftlichen Anliegen und Teil der sozialisti- schen Sozial- und Gesundheitspolitik«. Infolge der Ölpreiskrisen der 1970er Jahre schlitterten auch die Länder des »Ostblocks« bald darauf in Rezessionen und Anpas- sungskrisen. Dennoch kam es während der 1980er Jahre in der DDR nicht zu offenen Kürzungen der Rentenleistungen. Allerdings vergrößerte sich in diesem Jahrzehnt die Schere zwischen Ren- ten und Einkommen erneut drastisch. So verringerte sich etwa die Relation zwischen dem durchschnittlichen Niveau der Altersren- te und dem Einkommen eines Werktätigen in einem volkseigenen Betrieb von 33,3 Prozent im Jahr 1980 auf 29,8 Prozent im Jahr 1988. Die Sonder- und Zusatzversorgungssysteme, die besonders die Mitglieder des Staatsapparats und ihm nahestehende Berufs- gruppen privilegierten, wurden weiter ausgebaut. Rentenerhöhun- gen und Änderungen im Rentenrecht wurden in diesem Jahrzehnt weitaus seltener beschlossen als zuvor. 1989, im Jahr des 40-jäh- rigen Bestehens der DDR, wollte die DDR-Führung ihre Bürger mit der bisher großzügigsten Erhöhung der Renten beschenken. Zu- gleich wurden neue, erhöhte Festbeträge bei der Berechnung der Alters- und Invalidenrenten eingeführt. Im Juni 1989 war die ent- sprechende Verordnung von den zuständigen Stellen erlassen wor- den. Sie trat am 1. Dezember 1989 in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt zeichneten sich – wenige Wochen nach dem Mauerfall – schon weitaus grundlegendere Umwälzungen ab, die dem alten Sozial- versicherungssystem der DDR und ihren Trägern bevorstanden.

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