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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

61 Medien die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Alterssicherung teilweise überzeichnet und mögliche entlastende Entwicklungen ignoriert. So entstanden Katastrophenszenarien, die sich gut verkaufen ließen. 1983 titelte der Spiegel etwa »Ren- tenversicherung vor dem Bankrott: Bald kracht es in der Renten- versicherung. Die Zahl der Alten wächst ständig, für die Aktiven wird es zunehmend schwieriger, die Renten zu finanzieren.«1 Übersehen wurde dabei allerdings oft, dass die demografische Entwicklung zwar eine wichtige Rahmenbedingung für die Ren- tenversicherung darstellt – für die Finanzierbarkeit der Renten kommt es aber auch auf viele andere Dinge an. Beispielsweise ist dafür nicht in erster Linie maßgeblich, wie viele Menschen es im Erwerbsalter und wie viele Ältere es in einer Gesellschaft gibt, sondern wie viele Menschen erwerbstätig sind beziehungsweise Beiträge zahlen und wie viele Menschen – und wie lange – eine Rente beziehen. Die ökonomische und gesellschaftliche Entwick- lung ist für die Funktionsfähigkeit der Rentenversicherung genau- so wichtig wie die Demografie. Vor allem aber wurde in den Ka- tastrophenszenarien übersehen, dass die Politik durch geeignete Maßnahmen in der Renten-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik Möglichkeiten hat, den Auswirkungen der demografischen Ent- wicklung auf die Rente entgegenzuwirken. Die Rentenversicherung war von Anfang an bemüht, die Debat- te über die Zukunft der Rente dadurch zu versachlichen, dass alle diese Aspekte dabei berücksichtigt wurden. Im Oktober 1985 setz- te der »Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR)« eine Reformkommission aus Mitgliedern der Selbstverwaltung und Ge- schäftsführern der Rentenversicherungsträger ein, die den zukünf- tigen Reform- und Handlungsbedarf ermitteln und Lösungsstrate- gien entwickeln sollte. Ein von der Kommission beim Schweizer Forschungsinstitut PROGNOS in Auftrag gegebenes Gutachten er- gab, dass – wenn man keine politischen Gegenmaßnahmen ergrei- fen würde – in den bevorstehenden Jahrzehnten mit einem deut- lichen Anstieg der Beitragslasten zu rechnen sei: Für 2015 wurde unter diesen Bedingungen ein Beitragssatz von 27 bis ­29 Pro­­zent errechnet, für 2030 sogar ein Satz von 36 bis 42 Prozent. Die Re- formkommission der Rentenversicherung schlug gleichzeitig eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, um trotz der demografischen 1  Spiegel 8/1983, S. 80. Schreibdienstraum eines Rentenversicherungsträgers, 1980. Moderne Computersysteme vereinfachten die Verwaltungsabläufe.

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