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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

56 wiederholt zu Defiziten und Finanzierungsengpässen. Die Vermö- genssituation der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte blieb dagegen die 1970er Jahre hindurch weniger angespannt. Hinter- grund der unterschiedlichen Finanzlagen war, dass sich das Zah- lenverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern in der Angestelltenversicherung günstiger entwickelte als in der Arbeiterrentenversicherung. Denn die Bedeutung der Angestellten in den gewerblichen Unternehmen hatte weiter zugenommen, und auch der Dienstleistungssektor expandierte in den 1970er Jahren. Allein 1974 leistete die BfA an die Träger der Arbeiterrentenver- sicherung einen Finanzausgleich in Höhe von 2,15 Milliarden DM. Ehe- und familienpolitische Neuerungen Unabhängig von Krisenerscheinungen kam es in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zu grundlegenden ehe- und familienpo- litischen Veränderungen, die auch Auswirkungen auf die Alters­ sicherung hatten. Bereits 1969 strebte die sozialliberale Bundes- regierung eine Reform des Ehe- und Familienrechts an, die 1976 per Gesetz verwirklicht wurde. Bisher hatten Frauen nach einer Scheidung entweder lediglich eine meist geringfügige Rente aus eigenständiger Arbeit bezogen oder sie waren gänzlich ohne ge- setzliche Alterssicherung zurückgeblieben. Zum 1. Juli 1977 wur- de der Versorgungsausgleich nach Ehescheidung eingeführt, der die Alterssicherung von Geschiedenen grundlegend neu regelte. Nach einer Scheidung wurden fortan die während der Ehe er- worbenen Versor­gungsanrechte auf beide Ehepartner aufgeteilt. Den Familiengerichten obliegt es, Art und Höhe des Versor- gungsausgleichs zu klären. Mit der Neuregelung des Ehe- und Scheidungsrechts wurde – zu- mindest im Falle der Eheschei- dung – das alte Leit­modell der »Hausfrauenehe« durch das moderne Partnerschaftsprinzip ersetzt. Dadurch wurde insbeson- dere die Alterssicherung geschiedener Frauen im Schnitt deutlich verbessert. Verwaltung der Rentenkonten, 1973: Moderne Informationstechnik und tradi- tionelle Verwaltung in Karteisystemen existierten bei den Trägern zeitweise parallel. Seit den 1970er Jahren kam es in Deutsch- land zu einer Phase familien- und frauen- politischer Reformen. Diese Impulse des gesellschaftlichen Wandels wirkten auch auf die gesetzliche Rentenversicherung.

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