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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

55 nur niedrige Rentenansprüche erworben. 1970 lag die durch- schnittliche Altersrente von Frauen nur bei etwa einem Drittel der durchschnittlichen Altersrente von Männern. Die Rente nach Min- desteinkommen, neue lukrative Nachentrichtungsmöglichkeiten und die freiwillige Versicherung versetzten Frauen nun mehr als zuvor in die Lage, sich eine vom Einkommen der Ehemänner un- abhängige Rente aufzubauen. Strukturelle Benachteiligungen, die sich aus geringer Erwerbsbeteiligung beziehungsweise niedrigem Einkommen ergaben, konnten so besser ausgeglichen werden. Die gesetzliche Rentenversicherung trug somit zur wachsenden öko- nomischen Unabhängigkeit der Frauen bei. Der Leistungsausbau für die Versicherten und Rentner hatte in den kommenden Jahren allerdings eine erhebliche Vermehrung der Ausgaben auf Seiten der Versicherungsträger zur Folge. In der gesamten gesetzlichen Rentenversicherung stiegen die Ausgaben zwischen 1970 und 1975 von 52,2 Milliarden auf 101,1 Milliar­ den DM­an – sie verdoppelten sich also fast. Ein weiterer Grund für den Ausgabenanstieg war, dass sich die Lohnzuwächse und hohen Inflationsraten der vergangenen Jahre im Rahmen der auf den 1. Juli 1972 vorgezogenen Rentenanpassung zeitversetzt nieder- schlugen. Der Rentenreform hatten sehr optimistische Schätzun- gen über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung zugrunde gelegen. Die Planer rechneten mit einem Anwachsen der Überschüsse der gesetzlichen Rentenversicherung auf über 200 Milliarden DM in den kommenden 15 Jahren. Grundannahme war, dass ein konti- nuierliches Lohn- und Beschäftigungswachstum bevorstand. Aber genau diese Prämisse erwies sich bereits ein Jahr nach dem In- krafttreten des Rentenreformgesetzes als unzutreffend. Die 1973 einsetzende Ölpreiskrise führte in die Rezession. Die Zahl der Ar- beitslosen stieg an und die Lohnzuwachsraten waren rückläufig. Dies wirkte sich in der Rentenversicherung negativ auf die Zahl der erwerbstätigen Beitragszahler und auf das Beitragsaufkom- men aus. Die Konsequenz war, dass die Steigerungen der jährli- chen Beitragseinnahmen in der gesetzlichen Rentenversicherung geringer ausfielen als erwartet. Zudem ging der Bund 1973 zur Stundung und Kürzung des Bundeszuschusses über. Auch über- trug der Bund Schuldbuchforderungen auf den Bundeszuschuss, um den eigenen Haushalt zu entlasten. Bei den Landesversiche- rungsanstalten führte das Zusammentreffen von Ausgabenanstieg und ungünstiger Einnahmen­entwicklung in den folgenden Jahren In den 1970er Jahren schufen die Landesversicherungsanstalten die Funk- tion der Versichertenältesten. In der Angestelltenversicherung und bei den Knappschaften gab es sie bereits. Die Versichertenältesten wurden von der Vertreterversammlung ausgewählt und stellten – zusätzlich zu den bereits existierenden Beratungsstellen – eine wichtige Dienstleistung für die Versi- cherten und Rentner dar. Das ist bis heute so geblieben.

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