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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

44 Das neue Verfahren hob die Renten deutlich an. In der Arbeiter- rentenversicherung stiegen die Renten im Schnitt um 60 Prozent, die Witwenrenten um 81 Prozent und die Waisenrenten um 57 Pro- zent, in der Angestelltenversicherung jeweils um 66, um 91 und um 40 Prozent. Mit der ersten Rentenanpassung von 1959 erhöhten sich die Rentenleistungen um weitere 6,1 Prozent. Die Versicher- tenrenten wurden nun im Sinne einer lebensstandard­sichernden Leistung mit Lohnersatzfunktion verstanden. Durch eine lohn- und beitragsäquivalente, einkommensbezogene Altersrente konnte der Einkommens- und Lebensstandard im Alter zumindest bei Versi- cherten mit durchgängiger Erwerbsbiografie annähernd aufrecht- erhalten werden. Zur Finanzierung der Leistungsausweitungen wurde der Beitragssatz 1957 von 11 auf 14 Prozent erhöht. Der Bundeszuschuss wurde nun als Pauschalbetrag festgesetzt. Nachdem der Anteil des Bun- deszuschusses an den Ausga- ben in der Arbeiterrenten- und der Angestelltenversicherung in den frühen 1950er Jahren sprunghaft von zunächst 36 Prozent (1952) auf rund 48 Pro­zent (1953) angestiegen war, lag er 1957 mit rund 32 Prozent bei nicht ganz einem Drittel der Ausgaben. Da der Bundes­zuschuss allerdings nicht der Aus- gabenentwicklung, sondern der Änderungsrate der Bemessungs- grundlage folgte, sank sein Anteil an den ­Rentenausgaben in den folgenden Jahren fast kontinuierlich ab. 1970 sollte er noch rund 19 Prozent der Ausgaben betragen. Die Finanzierung der Rente wurde mit der Reform von 1957 außerdem von einem teilweisen Kapitaldeckungsverfahren schritt- weise auf ein reines Umlageverfahren umgestellt. Zunächst stieg man auf ein sogenanntes modifiziertes Umlageverfahren um. Für einen zehnjährigen Deckungsabschnitt wurde ein einheitlicher Beitragssatz festgesetzt. Am Ende dieser Periode sollte eine Ver- mögensreserve in Höhe einer Jahresausgabe vorhanden sein. Erst mit dem »Dritten Rentenversicherungs-Änderungsgesetz« wurde dann 1969 der endgültige Umstieg zur Umlagefinanzierung vollzo- gen. Die vorgeschriebene Mindestrücklage wurde damals auf drei Monatsausgaben gesenkt. Das Umlageverfahren spiegelt den »Ge- »Arbeit – Rente – Sicherheit« – so der Slogan einer Informationsbro- schüre der Bundesregierung zum Rentenreformgesetz von 1957 mit dem Titel »Die Produktivitätsrente«. Seit der Rentenreform von 1957 waren die Rentenleistungen an den Lebensstandard und die Brutto- lohnsteigerungen der Versicherten angepasst. Die Rentenreform 1957 war ein Meilen- stein in der Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung: Die Rente erhielt Lohnersatzfunktion und durch ihre Dynamisierung nehmen die Rentner seither an der Lohnentwicklung teil.

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