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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

42 Die »Rentenschlacht«: Bundeskanz- ler Konrad Adenauer und verschie- dene Bundestagsmitglieder bei der Diskussion um die Verabschiedung des Rentenreformgesetzes von 1957. chend an dem zu dieser Zeit allgemein wachsenden Wohlstand. Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass die Leistungen der ge- setzlichen Rentenversicherung – anders als heute – nicht laufend an die Lohnentwicklung angepasst wurden. Außerdem beruhte die Rentenberechnung nach wie vor auf einem einheitlichen einkom- mensunabhängigen Grundbetrag und einem vergleichsweise nur geringen Steigerungsbetrag, der von der Versicherungsdauer und dem absoluten Betrag des Nominallohnes in den einzelnen Versi- cherungsjahren abhing. 1957 wurde die erste große Rentenreform seit dem Zweiten Weltkrieg im Deutschen Bundestag verabschiedet. Es wurde eine »epochenmachende Strukturreform«1 , die die gesetzliche Alters­ vorsorge in Deutschland auf eine völlig neue Grundlage stellte. Bundeskanzler Konrad Adenauer war es gelungen, seine ­sozialreformerischen Pläne zu einer Neuordnung der gesetzli- chen Rentenversicherung gegen Widerstände der Wirtschafts- verbände sowie gegen Einwände aus dem Finanz- und dem ­Wirtschaftsminis­terium durchzusetzen. Das »Rentenreformge- setz« regelte sowohl die Arbeiterrentenversicherung und die An- gestelltenversicherung als auch die Knappschaftsversicherung neu. Durch das Reformgesetz wurden die Rentenleistungen an der Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter ausgerichtet und au- ßerdem dynamisiert: Die Rentenberechnung und darauf folgende Anpassungen gehorchten nun einem neuen Verfahren. Die Renten basierten nur noch auf einem Steigerungsbetrag, der Grundbetrag wurde abgeschafft. Gemäß der neuen Rentenformel wurde die Rentenhöhe bei der Erstberechnung nicht mehr ausgehend von den absoluten Beträgen der früheren Nominallöhne berechnet. Vielmehr kalkulierte man sie fortan abhängig von der relativen Lohnposition des Rentenempfängers, die während aller Jahre der Erwerbstätigkeit im Durchschnitt erreicht wurde, und der Ver­ sicherungsdauer. Die Rentenberechnung stützte sich außerdem auf eine Bemessungsgrundlage, die jährlich erneuert und – allerdings zeitverzögert – an die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung angepasst wurde. Auch nach der Erstberechnung ihrer Rente soll- ten die Rentnerinnen und Rentner seit 1957 durch regelmäßige Rentenanpassungen von der weiteren Bruttolohnentwicklung pro- fitieren. 1  Hockerts: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland, S. 16.

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