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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

37 wurden größere Reichsmarkguthaben nachträglich im Verhältnis 100 zu 6,5 in Deutsche Mark umgestellt. Auch in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde 1948 eine Währungsreform durchge- führt. Hier wurden die Vermögen der Sozialversicherungsträger im Verhältnis 2 zu 1 umgestellt. Mittelfristig hatte die Währungsreform vor allem im Westen eine Erholung der Wirtschaft sowie steigende Löhne und wachsen- de Beitragseinnahmen in der Rentenversicherung zur Folge. Die Renten blieben allerdings zunehmend hinter den Löhnen zurück. In den ersten Nachkriegsjahren war Altersarmut ein unter den Rentnerinnen und Rentnern aller Besatzungszonen verbreitetes Phänomen. In den Versicherungsträgern und unter den politischen Akteu- ren wurde unterdessen über die Neuordnung des Versicherungs- systems und über die Wiedereinführung der früheren Selbstver- waltung diskutiert. Die Frage nach der Zukunft der deutschen Sozial- und Rentenversicherung stand erneut auf der politischen Tagesordnung. Dabei sollte sich das System der Sozialversicherung in Ost und West bald in unterschiedliche Richtungen entwickeln. In der SBZ trat eine Einheitsversicherung an die Stelle des al- ten gegliederten Systems. Auf Grundlage eines Befehls der Sowje- tischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wurden 1947 alle Sozialversicherungszweige zusammengeführt und eine umfas- sende Versicherungspflicht eingeführt. Die Arbeitslosenversiche- rung war in das neue System nicht einbezogen. Obwohl SED und Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) das Prinzip der Einheitsversicherung propagierten, wurden den Bergarbeitern nach wie vor verschiedene Besonderheiten im Bei- trags- und Leistungssystem zugestanden, die sich aus ihrer Knapp- schaftstradition herleiteten. Diese Sonderrolle legte etwa bereits die »Verordnung über die Sozialversicherung der Bergleute« vom 19. Dezember 1946 fest. Die politische Führung der SBZ verstand die Bergarbeiter als eine für den wirtschaftlichen Wiederaufbau besonders wichtige Gruppe. Insgesamt glich die Leistungspalette der neuen Sozialversiche- rung auf dem Gebiet der Alters- und Invalidenvorsorge dem west- deutschen System. Gemäß der Bestimmungen der »Verordnung über Sozialpflichtversicherung (VSV)« vom 28. Januar 1947 um­ fassten die Leistungen der Sozialversicherung Alters- und Invali- denrenten sowie Renten für arbeitsunfähige Witwen und Waisen. Bei männlichen Versicherten lag die Altersgrenze für den Erhalt einer Altersrente bei 65 Lebensjahren. Frauen konnten bereits bei Erreichen des 60. Lebensjahres eine Rente erhalten. Diese Leis- tungen wurden unter der Voraussetzung gewährt, dass der Versi- cherte seit dem Zeitpunkt des Versicherungsbeitritts nicht weniger als zwei Drittel der Zeit versichert gewesen war (»Zweidrittelde- ckung«). Grundsätzlich galt bei der Altersrente eine Wartezeit von 15 Jahren. Bei der Invaliden- und Hinterbliebenrente war jeweils eine Wartezeit von fünf Jahren vorgesehen. In ihrer Höhe setzten sich die Alters- und Invalidenrenten da- mals aus einem Grundbetrag von monatlich 30 Mark sowie einem Steigerungsbetrag in Höhe von 1 Prozent des Durchschnittsver- dienstes für jedes Versicherungsjahr zusammen. Hinzu kamen verschiedene Zuschläge. Wichtig war, dass für die Berechnung des Steigerungsbetrages der Monatsverdienst lediglich bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 600 Mark berücksichtigt wurde. Für Personen mit sehr geringem Verdienst oder kurzen Versi- cherungszeiten wurde eine sogenannte Mindestrente geschaffen. Wie in den Westzonen waren die Renten nach Kriegsende niedrig gewesen. Kurz nach Gründung der DDR kam es 1949 und 1950 zu ersten Erhöhungen der Mindestrenten sowie der Alters-, Invali- den- und Hinterbliebenrenten. Die neue Einheitsversicherung war zunächst nach Ländern organisiert. Seit 1951 stand dann die gesamte Sozialversicherung unter der Kontrolle des FDGB und der staatlichen Aufsicht durch das Ministerium für Arbeit. Die bisherigen fünf Landesanstal- ten wurden im Zuge des Auflösungsprozesses der Länder in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zu einer einheitlichen zentralgelenkten Sozialversicherungsanstalt mit Sitz in Berlin zu- sammengeführt. Analog zu der 1952 neu geschaffenen Einteilung der DDR in Bezirke wurden in der Sozialversicherung 14 Bezirks- verwaltungen gebildet. Die neue Sozialversicherungsanstalt war zunächst für Arbeitnehmer und Selbstständige gleichermaßen zu- ständig. Dies änderte sich 1956. Dem FDGB unterstand nun die neu ins Leben gerufene »Sozialversicherung für Arbeiter und Angestell- te«. Ihr gehörten Ende der 1950er Jahre etwa 80 Prozent aller Er- werbstätigen an. Die übrigen Erwerbstätigen, vor allem Genossen- schaftsmitglieder, Handwerker, Bauern und Freiberufler, wurden bis auf wenige Ausnahmen dem neu errichteten Träger »Deutsche Versicherungsanstalt« (später »Staatliche Versicherung der DDR«)

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