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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

36 Unterschiedliche Neuanfänge in Ost und West Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung von den Nationalsozialisten übernahmen die Alliierten die Regierungs- gewalt in Deutschland. Die geltenden Sozialversicherungsgesetze bestanden fast unverändert weiter, aber die Alliierten lösten bald nach Kriegsende alle zentralstaatlichen Verwaltungseinheiten ­auf – auch die der Sozialversicherung. Anfang Juli 1945 legte der sow­ jetische Magistrat in Berlin die Reichsversicherungsanstalt für An- gestellte still. Sie wurde in die Versicherungsanstalt Berlin (VAB) überführt, in ein System der Einheitsversicherung, das in Berlin noch bis 1949 existierte. Ansonsten wurden die Aufgaben der frü- heren Reichsversicherungsanstalt treuhänderisch an die Landes- versicherungsanstalten übergeben. Auch die Reichsknappschaft wurde aufgelöst und in sieben Bezirksknappschaften überführt. Nachdem die ersten Kriegsschäden beseitigt und notbehelfs- mäßige Aufbauarbeiten geleistet waren, nahm das – stark dezi- mierte – Personal in den Rentenversicherungsträgern die gewohn- ten Tätigkeiten wieder auf. Die alliierten Behörden hatten die Versicherungsanstalten gleich nach Kriegsende nachdrück- lich aufgefordert, ihre Ar- beit nahtlos fortzusetzen. Am beste­henden Verwaltungsauf- bau der Landesversicherungs- anstalten­änderten sie in den ersten Nachkriegsmonaten nur wenig. Die Beiratsgremien tra- ten nicht mehr zusammen. Aber auch wenn es im Rahmen der Entnazifizierung ab Mitte 1945 zu Entlassungen und Umbesetzun- gen in den Rentenversicherungsträgern kam – das Führerprinzip blieb hier noch für mehrere Jahre in Kraft. An der Spitze standen nach wie vor eingesetzte »Leiter«. Die schlechte Versorgungslage – Personal- und Raumnot, fehlende Büroausstattungen oder mangelndes Heizmaterial – ­behinderte die Weiterarbeit der Versicherungsträger. Aufgrund der Kriegseinwirkungen waren große Teile der Aktenbestände vernichtet worden. In vielen Versicherungsträgern war der Über- blick über den Rentenbestand gänzlich oder zumindest teilweise verloren und musste erst mühsam wiederaufgebaut werden. Die finanzielle Situation der Rentenversicherungsträger war kurz nach Kriegsende schwierig. Das wirtschaftliche Leben war zum Erliegen gekommen und dementsprechend gingen die Beitragseinnahmen zurück. Die Zuschüsse des Reichs und die Zinseinnahmen aus den Reichsanleihen entfielen. Dennoch erbrachten die Landesversiche- rungsanstalten und die Knappschaften ihre Rentenleistungen, die in dieser schwierigen Zeit für die Bevölkerung so wichtig waren. Die Postämter zahlten die Renten nach kurzzeitigen Unterbre- chungen bereits ab Mitte 1945 wieder aus. Die Situation der Ver- sicherungsträger war nach Kriegsende in den verschiedenen Be- satzungszonen und Ländern unterschiedlich. Teilweise wurden die bisher vom Reich geleisteten Zuschüsse übergangsweise von den Ländern übernommen oder ihr Ausfall mithilfe von Übergangs- krediten der Banken überbrückt. Insgesamt stabilisierte sich die Finanzlage in der gesetzlichen Rentenversicherung nach Kriegsen- de jedoch relativ schnell. In der Angestelltenversicherung reichten die Beitragseinnahmen bereits 1946 aus, um die Gesamtausgaben zu decken. In der Arbeiterrenten- und Knappschaftsversicherung konnten aus den Beitragseinnahmen zu diesem Zeitpunkt etwa 60 Prozent der Ausgaben finanziert werden. Hintergrund dieser Ent- wicklung war auch, dass die Löhne stiegen und dementspechend die Beitragseinnahmen zunahmen, während die Renten niedrig blieben. 1946 änderte der ehemalige Reichsverband Deutscher Renten- versicherungsträger seinen Namen in »Verband Deutscher Ren- tenversicherungsträger (VDR)«. 1948 konstituierte er sich neu als Dachverband der Rentenversicherungsträger in allen drei westli- chen Besatzungszonen. Die im gleichen Jahr in den drei Westzonen durchgeführte Währungsreform hatte für die gesetzliche Renten- versicherung gravierende Konsequenzen. Da die Renten – ebenso wie die Löhne und andere »regelmäßige Verbindlichkeiten« – in einem Verhältnis von 1 zu 1 umgestellt wurden, mussten sie in gleicher Höhe weiter ausgezahlt werden. Die Vermögensbestände der Rentenversicherungsträger verloren durch die Währungsre- form hingegen massiv an Wert. Infolge des Umstellungsgesetzes vom Juni 1948 wurden Hypotheken, Schuldverschreibungen und sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten im Verhältnis 10 zu 1 umgestellt, also auf ein Zehntel abgewertet. Mit dem »Festkonten- gesetz«, das seit Oktober 1948 das »Umstellungsgesetz« ergänzte, Während in der Sowjetischen Besatzungs- zone eine Einheitsversicherung eingeführt wurde, setzten sich die meisten deutschen Politiker in den Westzonen erfolgreich dafür ein, das traditionell nach Versiche- rungszweigen gegliederte System der Sozialversicherung beizubehalten.

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