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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

28 nierung der angeschlagenen Rentenversicherung an. Dies sollte durch den Umstieg auf das zuvor inflationsbedingt aufgegebene Kapitaldeckungsverfahren erreicht werden. Außerdem sollten die Ausgaben durch deutlichen Leistungsabbau gedämpft werden. Die konservativ geprägte Ministerialbürokratie hatte das Kapitalde- ckungsverfahren dem Umlageverfahren von jeher vorgezogen. Mit der Sanierungspolitik knüpfte das Reichsarbeitsministerium naht- los an den Inhalten der Notverordnungspolitik der Weimarer Jahre an. Mit dem »Gesetz zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Inva- liden-, der Angestellten- und der knappschaftlichen Versicherung«, kurz Sanierungsgesetz genannt, wurden am 7. Dezember 1933 zahlreiche Leistungskürzungen durchgeführt. Die Neurenten wur- den damals ingesamt um circa sieben Prozent gesenkt. Das Gesetz bereitete zudem den Umstieg auf das Anwartschaftsdeckungsver- fahren vor und machte es möglich, der Arbeiter­rentenversicherung höhere staatliche Zuschüsse zuzuführen. Auch in den folgenden Jahren sollte die Konsolidierung der Rentenversicherung in erster Linie auf Kosten der Rentner und Versicherten umgesetzt werden. Zugleich zielte das Reichsarbeits- ministerium nach wie vor auf eine organisatorische Neuordnung. Die Verwaltung der Rentenversicherungsträger sollte rationalisiert und der Einfluss der Staatsverwaltung sowie des Reichsversiche- rungsamtes gestärkt werden. Den Rahmen hierfür schuf das »Auf- baugesetz« von 1934. Es bereitete nicht nur der Selbstverwaltung ein Ende, sondern führte zudem Kranken-, Unfall-, Arbeiterren- ten-, Angestellten- und Knappschaftsversicherung unter dem ge- meinsamen Dach der »Reichsversicherung« zusammen. Die neue Reichsversicherung war dem Reichsversicherungsamt als zentra- ler staatlicher Behörde unterstellt. Die Arbeiterrentenversicherung und die Angestelltenversiche- rung wurden mit dem Aufbaugesetz zwar unter dem Oberbegriff »Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten« zusammen- gefasst, sie blieben aber als getrennte Versicherungszweige beste- hen. Entsprechend der Ideologie der Volksgemeinschaft war die Gleichstellung der Angestellten und Arbeiter ein Ziel der National- sozialisten. Vor allem die DAF forderte, dass die Differenzen und Leistungsunterschiede zwischen Arbeiter- und Angestelltenversi- cherung eingeebnet würden. Im Rahmen der Sanierung griff der Staat zwar in die beste- henden organisatorischen Strukturen der Rentenversicherung Propagandaplakat der Deutschen Arbeitsfront Mitte der 1930er Jahre. Der Ideologie der Volksgemein- schaft entsprach die Zielsetzung der Nationalsozialisten, die sozialen Un- terschiede zwischen Arbeitern und Angestellten einzuebnen. Dennoch blieb die organisatorische Trennung zwischen den beiden Versiche- rungszweigen auch in der Zeit des Nationalsozialismus weitestgehend bestehen.

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