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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

20 hen. Allerdings ließ die prekäre Vermögenslage der Versicherungs­ träger den damaligen Akteuren wenig andere Optionen als den vorläufigen Umstieg auf das Umlageverfahren. In der Neufassung der Reichsversicherungsordnung vom 15. De- zember 1924 wurde die Finanzierung der Rentenversicherung auf ein sogenanntes Umlageverfahren nach Perioden umgestellt. Für die Umlageperiode war ein Zeitraum von zehn Jahren angesetzt worden. Für die ersten fünf Jahre war die Bildung von Überschüs- sen vorgesehen. Zusammen mit den Einnahmen in der zweiten Hälfte der Umlageperiode sollten auf dieser Grundlage die anfal- lenden Ausgaben gedeckt werden. Die Jahre 1924 und 1925 standen für die Versicherungsträger in der Rentenversicherung im Zeichen der Erholung. Sie boten wieder Heilverfahren und andere freiwillige Leistungen an, und die Investitionen in den Wohnungsbau wurden wieder aufgenom- men. Die Rentenversicherung hatte die Krise vorerst überstanden. Trotz der schweren wirtschaftlichen Umstände war das Sozial­ versicherungssystem in den 1920er Jahren weiter ausgebaut worden. 1922 wurde das »Versicherungsgesetz für Angestellte« erstmals umfassend novelliert. Der Versichertenkreis wurde aus- gedehnt und die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung von Selbstständigen einge- führt. Eine der wichtigsten Neuerungen in der Angestell- tenversicherung betraf die so- genannte Doppelversicherung. Nach Gründung der Angestellten- versicherung waren Angestellte mit einem Jahresverdienst von bis zu 2.000 Mark in der Arbeiterrentenversicherung pflichtversichert geblieben, jedoch waren sie zugleich mit reduzierten Beiträgen in der Angestelltenversicherung. Diese Doppelversicherung wurde 1922 abgeschafft und die Angestellten von der dadurch erhöhten Beitragslast befreit. Auf dem Höhepunkt der Inflation, im Jahr 1923, verabschie- dete der Reichstag das »Reichsknappschaftsgesetz«. Es fasste die bis dahin zersplitterten Versicherungen der Knappschaftsvereine unter dem Dach der selbstverwalteten »Reichsknappschaft« zu- sammen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit wurde in diesen Jah- ren die Einführung einer staatlichen Arbeitslosenversicherung zu Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte beteiligte sich am Kampf gegen die wachsende Wohnungs- not unter den Angestellten. 1918 verfasste Hans Bechly, der Vorsit- zende des Wohnungsausschusses der Angestelltenverbände, eine Denkschrift zu dieser Frage. Das Reichsknappschaftsgesetz fasste die bis 1923 zersplitterten Knappschafts­ vereine zur selbstverwalteten Reichsknappschaft zusammen.

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