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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

18 allerdings nahm während der folgenden Jahre der Einfluss der staatlich ernannten Beamten zugunsten einer stärkeren Beteili- gung von Versichterten und Arbeitgebern ab. Die Versicherungsträger der gesetzlichen Rentenversicherung standen in den Anfangsjahren der Weimarer Republik vor erhöh- ten Anforderungen. Von 1913 bis 1925 hatte sich ihr Rentenbe- stand verdreifacht. Die finanzielle Situation wurde dadurch be- lastet, dass auch für jene Versicherten, die Kriegsdienst geleistet hatten, die volle Beitragszeit angerechnet wurde. Die Versiche- rungsträger hatten also Leistungen auszuzahlen für Zeiten, für die keine Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt worden waren. Die Inflation zwischen 1918 und 1923 traf die Rentenkassen zusätzlich. Durch die Inflation nahm der Wert des Versicherungs- vermögens kontinuierlich ab. Schon 1918 konnten zahl- reiche Landesversicherungs- anstalten die Renten nur noch bedingt auszahlen, 14 von ih- nen verzeichneten in diesem Jahr ein Defizit in ihrem Haus- halt. Sie gingen vor diesem Hintergrund bald dazu über, die aktuellen Rentenleistungen in Teilen aus dem Deckungskapital zu bestreiten, das eigentlich als Sicherheit für die zukünftigen Ren- tenleistungen zurückgelegt worden war. Um die skizzierten Belastungen besser zu bewältigen und in Zukunft enger zusammenzuarbeiten, gründeten die Landesver- sicherungsanstalten am 9. August 1919 in Kassel den Verband Deutscher Landesversicherungsanstalten. Er hatte zum Ziel, das Rentenversicherungsrecht zu vereinheitlichen und den Informati- onsaustausch zwischen den Landesversicherungsanstalten zu för- dern. In den folgenden Jahren verloren die Rentenleistungen in bei- den Versicherungszweigen, in der Arbeiterrentenversicherung sowie in der Angestelltenversicherung, inflationsbedingt ständig weiter an Geldwert. Vielen Rentnern drohte die Verelendung. Ende 1921 wurde daher die Sozialrentnerfürsorge geschaffen, die be- dürftige Rentner mit staatlichen Fürsorgeleistungen unterstützte. Das 1922 in Kraft getretene Fürsorgegesetz verpflichtete die Kom- munen dazu, niedrige Renten aufzustocken. Die Kosten hierfür Inflationsfolgen: Seit 1918 erhielten Invaliden- und Hinterbliebenenrentner in der Arbeiterrentenversicherung monatliche Teuerungszuschläge als Zulage zu ihrer Rente. Die Kosten hierfür trugen die Rentenversicherungsträger. 1921 beschloss der Reichstag die Einrichtung einer Sozialrentnerfürsorge für Rentner mit niedrigen Bezügen in der Arbeiterrenten- und Angestelltenver- sicherung. Die Leistungen wurden anteilig vom Reich und den Kommunen finanziert. In den 1920er Jahren wuchs der Einfluss der Selbstverwaltung in der Rentenversicherung. Die Entscheidungs- gewalt staatlicher Beamter ging zugunsten einer größeren Beteiligung von Versicher- ten und Arbeitgebern zurück.

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