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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

16 Einfluss von Kriegswirtschaft und Krieg auf die Rentenversicherung Am 28. Juli 1914 brach in Europa der Erste Weltkrieg aus. Er stell- te das junge System der Sozial- und Rentenversicherung auf die Probe. Kurz nach dem Kriegseintritt des Deutschen Reichs Anfang August 1914 wurde die Wirtschaft auf Kriegsproduktion umge- stellt. Entlassungswellen und steigende Arbeitslosigkeit prägten die ersten Kriegsmonate. Für die Versicherungsträger bedeutete dies zunächst schwindende Beiträge. Auch die wachsende Zahl der Gefallenen belastete die Renten- kassen zunehmend: In den Jahren 1914 bis 1918 stieg die Zahl der Hinterbliebenenrenten in der Arbeiterrentenversicherung und in der Angestelltenversicherung sprunghaft an, denn der Krieg hinterließ viele anspruchsberechtigte Witwen und Waisen. Auch die Zahl der Invalidenrenten stieg kriegsbedingt. Trotz dieser ge- wachsenen Belastungen kam es auch zu Verbesserungen für die Versicherten: Vor allem wurde die Altersgrenze für die Rente in der Arbeiterrentenversicherung von 70 auf 65 Jahre gesenkt und somit an die Angestelltenversicherung angeglichen. Während des Kriegs änderte sich die Versichertenstruktur: Weil vermehrt Frauen in die Kriegsproduktion einbezogen wur- den, wuchs ihr Anteil unter den Versicherten. In den Verwaltungen der Landesversicherungsanstalten und der Reichsversicherungs- anstalt für Angestellte fehlte es bald an Personal. So wurden bei- spielsweise im ersten Kriegsjahr 549 von 2.000 RfA-Mitarbeitern in den Kriegsdienst eingezogen. Vermehrt rückten Frauen auf die unbesetzten Stellen nach. Da die RfA verpflichtet war, dem beam- teten Personal während des Kriegsdienstes weiter Gehälter zu zah- len, stiegen die Personalkosten deutlich.Auch die Selbstverwaltung arbeitete nur eingeschränkt. Zahlreiche Mitglieder der Ausschüsse und Vorstände wurden zum Kriegsdienst eingezogen. 1913 waren erstmalig reichsweite Sozialwahlen in allen Sozialversicherungs- zweigen abgehalten worden. Während des Kriegs wurden die So- zialwahlen dann aber per Gesetz ausgesetzt und erst ab 1922 wie- der abgehalten. Für die verbliebenen ehrenamtlichen Mitglieder in den Selbstverwaltungsorganen bedeutete dies eine Amtszeit von fast zehn Jahren. Als Folge des Ersten Weltkriegs gingen den Versicherungsträ- gern beträchtliche Versicherungsvermögen, unter anderem durch Während des Ersten Weltkriegs herrschte nach kurzer Zeit Mangel an männlichem Personal. An der »Heimatfront« rückten die Frauen in die frei gewordenen Positionen – nicht nur in der Rüstungsindustrie, sondern in allen Bereichen von Industrie, Landwirtschaft, Verwaltung und Dienstleis- tung. Infolgedessen nahm der Anteil der pflichtversicherten Frauen in der gesetzlichen Rentenversicherung zu.

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