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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

14 ­Angestellten keinen Zugang zum staatlichen System der Alters- vorsorge hatte. Die Angestelltenversicherung erweiterte nun die Ver­sicherungspflicht auf Angestellte mit einem Jahresentgelt bis 5.000 Mark. Anders als die Arbeiterrentenversicherung beruhte die neu geschaffene Angestelltenversicherung nicht auf einem re- gionalen Trägerprinzip. Der Staat delegierte die Verwaltungsauf- gaben in diesem Fall vielmehr an eine einzige öffentlich-rechtliche ­Körperschaft – die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte (RfA) in Berlin. Die Organisation der RfA beruhte wie die der Landesver- sicherungsanstalten auf dem Prinzip der Selbstverwaltung. Im Ver- gleich zur Arbeiterversicherung bot die Angestelltenversicherung bessere Leistungen. Eine Altersrente wurde bereits ab dem ­65. Le- bensjahr gewährt und der Zugang zur Invalidenrente wurde er- leichtert. Auch die Hinterbliebenen der Angestellten waren besser abgesichert, so wurde eine unbedingte Witwenrente gewährt. Das heißt, die Witwe musste nicht – wie es in der Arbeiterrentenver­ sicherungder Fall war – ihre eigene Invalidität nachweisen. Zudem wurden Waisenrenten länger ausgezahlt. Die höheren Leistungen mussten die Angestellten allerdings auch mit höheren Beiträgen bezahlen. Ein ganzes Jahrzehnt hatten sich die Verbände der Angestell- tenbewegung dafür eingesetzt, eine nach dem Vorbild der Beam- tenpension entworfene, eigene Versicherung zu erhalten. Trotz ihrer den Arbeitern ähnlichen Stellung in den Betrieben orientier- ten sich die meisten Angestellten am bürgerlichen Mittelstand und hatten das Selbstverständnis, einer anderen Schicht als der Arbei- terklasse anzugehören. Mit der Angestelltenversicherung war eine prinzipielle sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Unterschei- dung zwischen Arbeitern und Angestellten begründet, die in der Rentenversicherung noch bis 2005 erhalten bleiben sollte. Handlungsgehilfen in München um 1900. Seit der Jahrhundertwende schlossen sich verschiedene Berufsgruppen, wie die Handlungsgehilfen und Büroangestellten, und deren Verbände zur Angestelltenbewegung zusam- men. Sie forderten die Einrichtung einer besonderen Pensionsversicherung für Angestellte.

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