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125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

12 Die ersten Renten wurden von den Versicherungsanstalten schon 1891 ausgezahlt, insgesamt waren es in diesem Jahr 126.397 Altersrenten. Ermöglicht wurde dies durch eine Übergangsbestim- mung, die vom strikten Versicherungsprinzip abwich: Sie erlaubte es über 70-Jährigen, auch ohne Zahlung von Versicherungsbeiträ- gen eine Altersrente zu beziehen, sofern sie unmittelbar vor Inkraft- treten des Gesetzes drei Jahre gearbeitet hatten. Die Kosten trugen die Kommunen beziehungsweise Bundesstaaten. Allerdings kamen zu diesem Zeitpunkt aufgrund der hohen gesetzlichen Altersgrenze nur die wenigsten Arbeiter überhaupt in die Lage, eine Altersrente beantragen zu können. Die meisten von ihnen starben zuvor. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens basierte die Ren- tenversicherung auf dem Verfahren der teilweisen Kapitaldeckung. Die Beiträge waren so berech- net, dass für den Zeitraum von zehn Jahren die in dieser Dekade voraussichtlich aus- zuzahlenden Rentenanteile, Beitragserstattungen und Ver- waltungskosten gedeckt waren sowie Rücklagen gebildet wer- den konnten. Das angesammelte Kapital wurde außerdem verzinst, sodass die Landesversicherungsanstalten zum Beginn des Ersten Welt- kriegs bereits über ein erhebliches Vermögen verfügten. Das die Rentenzahlungen übersteigende Geld sollte zum Wohl der Versi- cherten eingesetzt werden. Im Rahmen der Haushaltsplanfestset- zung entschieden die Selbstverwaltungsorgane über sogenannte freiwillige Leistungen, etwa über Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, der als Maßnahme zur Verbesserung des gesund- heitlichen Zustands der arbeitenden Bevölkerung aufgefasst wur- de. Bis 1914 wurden auf der Grundlage von Darlehensgewährun- gen durch die Landesversicherungsanstalten etwa 300.000 bis 400.000 Wohnungen ­fertiggestellt. Außerdem konnten die Versicherungsanstalten Heilbehandlun­ gen für ihre Versicherten gewähren, um Invalidität vorzubeugen. Die LVA Rheinprovinz etwa gab im Jahr 1909 fast zwei Millionen Mark für Heilverfahren aus und schickte viele Versicherte zur Kur. Die Landesversicherungsanstalten richteten außerdem Beratungs- stellen ein, die über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Im 19. Jahrhundert lebten viele Arbeiterfamilien in den Elendsvier- teln der Vorstädte. Die neu gegrün- deten Versicherungsanstalten der gesetzlichen Rentenversicherung investierten in den Bau von Arbei- terwohnungen, um zur Verbesse- rung des Gesundheitszustands der Bevölkerung beizutragen. Die Rentenversicherungsträger nahmen seit ihrer Gründung wichtige gesellschaft- liche Aufgaben wahr. Sie förderten den sozialen Wohnungsbau und errichteten Heilanstalten zur Bekämpfung der Tuber- kulose.

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